Historisches Juwel mit wohl ältester Arrestzelle für Studenten gefunden

Historisches Juwel mit wohl ältester Arrestzelle für Studenten gefunden

Mit der Sanierung des Ingolstädter Georgianums betreut Hitzler Ingenieure Ingolstadt ein ganz außergewöhnliches Projekt: Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat das Gebäude als „Baudenkmal mit nationaler Bedeutung“ anerkannt. In dem ehemaligen Universitätsbau und Kolleg in der Ingolstädter Innenstadt wurde die wahrscheinlich älteste Arrestzelle für Studenten in Deutschland, ein so genannter Karzer, entdeckt.

Was ist eigentlich ein Karzer, und warum ist das Projekt in Ingolstadt so außergewöhnlich?

Ein Karzer ist eine für das spätmittelalterliche Bildungssystem charakteristische Arrestzelle in Universitäten und Gymnasien, in der noch bis ins frühe 20. Jahrhundert Studenten und Gymnasiasten bei Verstößen gegen die akademischen Regeln einsitzen mussten. Die so genannte Karzerstrafe wurde verhängt bei Vergehen wie Schwänzen, Prügeleien, Beleidigungen, Faulheit, zu schnelles Reiten in den Gassen, Tumulte oder Vernachlässigung der praktischen Kurse.

Der Aufenthalt in den engen, kargen Zellen bewegte sich zwischen einem und 14 Tagen. Die einfache Karzerstrafe reichte von 6 Uhr in der Früh bis 20 Uhr am Abend, verschärfte Karzerstrafen dauerten mehrere Tage. Charakteristisch für die Karzer sind Inschriften, Namen, Sprüche und Zeichnungen, mit denen sich die Insassen an den Zellenwänden verewigten.

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„Nur wenige dieser Arresträume sind in Deutschland erhalten geblieben“, erklärt der verantwortliche Projektsteuerer bei Hitzler Ingenieure in Ingolstadt, Dipl.-Ing. (FH) und Architekt Markus Kixmöller. In Ingolstadt wurde nun bei der Sanierung des ehemaligen Kollegiengebäudes durch umfassende Bauforschung der wohl älteste erhaltene Karzer Deutschlands aus dem Jahr 1546 oder sogar früher entdeckt und freigelegt.

Über die Bayerische Staatsbibliothek, in der die Matrikelbücher der damaligen Ingolstädter Bibliothek lagern, konnten dort einst einsitzende Studenten zugeordnet werden. „Wir haben es hier mit einem historischen Juwel zu tun“, so Kixmöller, das vom Landesamt für Denkmalpflege als „Baudenkmal mit nationaler Bedeutung“ anerkannt wurde.

Zur Begründung schrieb das Landesamt für Denkmalpflege im September 2019: „Das Collegium Georgianum geht auf eine der bedeutendsten frühen Universitätsgründungen Deutschlands zurück. Die 1494 eingerichtete Stipendienstiftung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Gründung der ersten bayerischen Landesuniversität in Ingolstadt. Der Komplex ist seltenes Zeugnis einer erhaltenen Gesamtanlage von Universitätsbau und zugehörigem Kolleg, der das Bildungsförderwesen seiner Zeit sowie den repräsentativen Anspruch des herrschenden Herzogtums spiegelt. Das Georgianum gehört zu den wenigen Studienbauten Deutschlands, die in dieser gut erhaltenen Form überliefert sind. Es ist ein besonderes bauliches Dokument für das spätmittelalterliche Bildungssystem sowie von herausragender historischer Bedeutung für die stadtgeschichtliche Entwicklung. Das Objekt ist daher national bedeutsam und prägt das kulturelle Erbe der Bundesrepublik Deutschland mit. „

Das bedeutende Baudenkmal wird voraussichtlich vom Bund gefördert. Nach der Sanierung soll das einstige Kollegiengebäude zu einer öffentlichen Begegnungsstätte für alle Bürger werden – mit Wirtshaus, Veranstaltungsraum und dem Ethikzentrum für Wirtschafts- und Unternehmensethik der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Bauherr ist die städtische Gesellschaft IN-Ko-Bau Ingolstadt; Hitzler Ingenieure Ingolstadt betreut als Projektsteurer die Baumaßnahme und ist in dieser Funktion während der gesamten Projektlaufzeit sowohl für den terminplangerechten Fortschritt als auch für die Kosteneinhaltung und die Sicherstellung der Qualitätsanforderungen verantwortlich.

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